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02.12.2022 06:42

Großer Mythos: Lohn-Preis-Spirale

Es erscheint in Österreich immer dann, wenn der Start von Lohnverhandlungen im Raum steht und vor allem Industrielle und ihre politischen VertreterInnen deutliche Lohnerhöhungen fürchten – wie gerade jetzt.

 

Mit Gewerkschaft gibt‘s keinen Lohnverzicht

 

Minister rücken aus, die Beschäftigten zur Zurückhaltung bei den Lohnforderungen aufzufordern, um die Teuerung nicht weiter anzuheizen.

 

Ähnliche Forderungen in Richtung der Energiekonzerne bleiben allerdings aus. Es ist – wie alle Gespenster – nur Einbildung, nützlich nur dafür, die Menschen zu ängstigen. Ist das gelungen, wird es von jenen, die es erfunden haben, wieder in die Mottenkiste gepackt, um dort auf seinen nächsten Auftritt zu warten.

 

Was passiert wirklich?

 

Nicht die Löhne steigen und ziehen die Preise mit: Es ist genau umgekehrt. Die Preise steigen z.B. aufgrund von Lieferproblemen, vielfach werden sie auch wegen steigender Nachfrage nach oben getrieben. Die eklatanten Energiepreiserhöhungen resultieren aus einer Koppelung der Strom- und Gaspreise und bescheren den Energieunternehmen gerade enorme Übergewinne.

 

Aber auch die Lebensmittel- und Wohnpreise steigen enorm. Die Inflationsrate lag im September schon bei 10,5 Prozent. Die Beschäftigten bleiben dabei auf der Strecke, während börsennotierte Unternehmen ungeniert hohe Dividenden ausschütten und Boni zahlen und darin von einer untätigen Bundesregierung auch noch unterstützt werden.

 

„BENYA-FORMEL”: So entstehen die Lohnforderungen der GBH

 

Um Wohlstand zu garantieren, Preise aber nicht in die Höhe zu treiben, halten sich Gewerkschaften bei ihrer Lohnforderung an die sogenannte „Benya-Formel“. Anstatt der zu erwartenden Inflation ziehen Gewerkschaften die durchschnittliche Inflationsrate der letzten zwölf Monate plus der Produktivitätszuwächse der einzelnen Branchen für die Lohnforderung heran. So garantieren wir, dass ArbeitnehmerInnen sich trotz steigender Preise für ihr Gehalt bzw. ihren Lohn gleich viel leisten können wie zuvor und sie ein gerechtes Stück des Kuchens bekommen, der durch ihre steigende Produktivität entsteht. Eine Lohn-Preis-Spirale wird durch die Anwendung der „Benya-Formel“ verhindert.

 

ArbeitnehmerInnen bestimmen nicht die Preise

 

Lea Steininger, Ökonomin am Institut für Internationale Wirtschaft der Wirtschaftsuniversität Wien, kann über die Theorie der Lohn-Preis-Spirale nur lachen. Im ÖGB-Podcast „Nachgehört. Vorgedacht” stellt sie klar, dass es nicht die ArbeitnehmerInnen sind, die die Preise bestimmen, sondern die Unternehmen.  

 

Auch wenn sich die Kosten für ein Unternehmen etwa durch die Kosten für den Faktor Arbeit erhöhen, ist es immer noch eine unternehmerische Entscheidung, die Preise anzuheben. Man könnte auch einfach die Gewinnspanne verringern

so Steininger.

 

Erhöhen Unternehmen hingegen die Gewinnspannen, erhöht das auch die Preise. So zu tun, als wären Preisentwicklungen eine Spirale, also ein Automatismus, und die Lohnverhandlungen die Ursache, ist für die Wirtschaftswissenschafterin problematisch.

 

Tatsache ist: Wir sind bereits mit einer enorm hohen Preissteigerung konfrontiert

 

Tatsache ist: Wir sind mit enorm steigenden Preisen konfrontiert, gegen die die Regierung keinerlei Maßnahmen setzt. In vielen europäischen Ländern wurden bereits Preisdeckel eingeführt, die österreichische Bevölkerung wird hingegen mit Einmalzahlungen abgespeist, die aber kein einziges Produkt billiger machen und verpuffen werden wie ein Tropfen auf dem heißen Stein

sagt GBH-Bundesvorsitzender Josef Muchitsch.

 

Die Position der Gewerkschaft ist klar: Wir brauchen zumindest die Abgeltung der Inflation, um eine Verarmung der Gesellschaft zu vermeiden und Reallohnverlusten vorzubeugen. Mit uns wird es keine Einmal-Abschlüsse unter der Inflationsrate geben.

 

In der Corona-Krise wurden die Unternehmen, die es brauchten, zu Recht mit unser aller Steuergeld unterstützt. Durch Mängel in der Ausarbeitung der Förder-Richtlinien wurden viele sogar überfördert, haben also teils deutlich mehr Geld erhalten, als sie im Normalbetrieb verdient hätten. Die Bundesregierung denkt auch jetzt nicht daran, ungerechtfertigte Übergewinne von Unternehmen abzuschöpfen und für die Entlastung der Menschen einzusetzen. Und jetzt kommen diese Unternehmen mit Unterstützung durch diverse Minister daher und fordern von ihren Beschäftigten Lohnzurückhaltung. Von ihren Beschäftigten, die auch in der Corona-Krise unter schwierigsten Bedingungen ihre Leistungen erbracht haben, die durch Kurzarbeit Lohneinbußen hinnehmen mussten und die jetzt von der Bundesregierung mit Einmalzahlungen abgespeist werden. Geht´s noch?

ist Muchitsch empört.

 

Gleichzeitig suchen Unternehmen verzweifelt nach Fachkräften

 

Die gibt es nicht zum Nulltarif, so Muchitsch: „Wer gute Fachkräfte haben will, muss sein Unternehmen, seine Branche attraktiv gestalten. Jede Branche ist gut beraten, den Anschluss nicht zu verpassen. Das sollte man auch im Zuge der Lohnverhandlungen bedenken, denn die Beschäftigten sind flexibel. Sie wechseln die Branche, wenn die Arbeitsbedingungen nicht attraktiv sind. Beschäftigte müssen weiterhin fair entlohnt werden.“

 

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