Hitzefrei: Freiwilligkeit reicht nicht
Hitzeverordnung – Bauarbeiter dürfen die Verzögerung nicht „ausschwitzen“ müssen.
>> „Hitzeregelung ab 32,5 Grad" (PDF-Download)
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>> Alles zur Hitzefrei-Regelung im Interview
Die Sommer werden heißer. Der Schutz der Bauarbeiter hinkt hinterher. Auf Betreiben der Nationalratsabgeordneten aus der GBH, Josef Muchitsch und Rudolf Silvan, hat sich in der Bundesregierung das Bewusstsein durchgesetzt, dass weitere Maßnahmen dringend notwendig sind. Ein Entwurf einer Hitzeverordnung liegt nun endlich auf dem Tisch.
Warum derzeit trotzdem noch immer Stillstand herrscht und warum es weitere Kampagnen zu Hitzefrei am Bau braucht, erklärt GBH-BV Josef Muchitsch im Interview.
Derzeit gibt es eine Hitzefrei-Regelung nur für den Bau, die auf Freiwilligkeit basiert: Wie ist aus Sicht der GBH das Fazit für das Jahr 2024?
Das Fazit ist ernüchternd. Die freiwillige Regelung funktioniert in der Praxis kaum. 2024 bekam nur jeder fünfte Bauarbeiter tatsächlich Hitzefrei – das ist viel zu wenig. Viele Betriebe reagieren nicht, obwohl die Temperaturen gesundheitsgefährdend sind. Der Druck auf die Arbeiter ist hoch. Zu oft zählt nur der Baufortschritt, leider nicht die Gesundheit. Deshalb brauchen wir endlich klare gesetzliche Regeln.
Wie müsste eine gesetzliche Bestimmung aus Sicht der GBH aussehen?
Wir brauchen neue verpflichtende Regeln. Mit klaren Vorgaben, ohne dass die Kosten auf die Arbeiter abgewälzt werden. Wichtig ist: Eine Gesetzesvorlage ist derzeit in Ausarbeitung, hat aber leider noch Tücken.
Wäre eine verpflichtende Hitzefreistellung am Bau überhaupt realistisch umsetzbar?
Ich habe mit einigen Arbeitern – Pflasterern, Rohrverlegern, Dachdeckern – auf verschiedenen Baustellen gesprochen, die sich das derzeit nicht vorstellen konnten. Argumente waren der Termindruck und, dass Hitze mittlerweile „normal“ sei. Trotzdem: Ja, brauchen wir neue verpflichtende Regeln.
Gibt es ein Entgegenkommen der Arbeitgeber?
Manche Betriebe zeigen Verantwortung. Allerdings herrscht ein Fleckerlteppich an Maßnahmen, oder oft an Nicht-Maßnahmen. Ohne klare Regeln bleibt es Glückssache, ob Arbeiter bei großer Hitze geschützt werden. Das darf auf Baustellen nicht passieren. Gesundheitsschutz braucht Verbindlichkeit.
Wo sind die Knackpunkte, wo ist der Widerstand der Arbeitgeber am größten?
Der meiste Widerstand kommt, wenn es ums Geld geht. Viele Arbeitgeber fürchten Ausfälle oder Zusatzkosten. Aber das ist zu kurz gedacht. Wer in die Gesundheit seiner Leute investiert, gewinnt langfristig: weniger Krankenstände, mehr Motivation, mehr Leistung.
Es gibt eine App für Bauarbeiter, die die gültige Temperatur angibt. Ist damit beabsichtigt, die Arbeiter zu ermächtigen, bei großer Hitze selbst aktiv zu werden und Hitzefrei einzufordern?
Ja, das ist die Idee. Die App gibt eine klare, objektive Grundlage. Sie hilft den Arbeitern, die Möglichkeit auf Hitzefrei besser durchzusetzen. Aber klar ist: Eine App ersetzt kein Gesetz. Sie kann unterstützen, aber nicht den Rahmen schaffen. Den muss die Politik liefern.
Nun liegt endlich eine Verordnung auf dem Tisch. Was sind die Tücken, die du angedeutet hast?
Es ist gut, dass endlich Bewegung in das Thema kommt. Der vorliegende Entwurf der Verordnung ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Er erkennt an, dass Hitze am Arbeitsplatz – insbesondere auf Baustellen – eine ernstzunehmende Gefahr für die Gesundheit darstellt. Die Umsetzung stockt allerdings – vor allem, weil die Verordnung für alle Branchen gleichzeitig gelten soll. Eine Sonderregelung für den Bau als erster Schritt wäre praktikabler gewesen. Denn unsere Kolleg:innen sind täglich draußen, in voller Sonne, mit schwerer körperlicher Arbeit. Stattdessen wurde eine Komplettlösung angestrebt, die nun die Umsetzung verzögert.
Was bedeutet das für die konkrete Umsetzung?
Die Regelung soll 2026 wirksam werden. Bis dahin brauchen wir eine Infokampagne der Bundesregierung – in Abstimmung mit uns. Bauarbeiter dürfen nicht die Versäumnisse der letzten Regierung ausschwitzen müssen. Wir als GBH handeln, das erwarten wir auch von der Politik. Ziel muss es sein, Arbeitgeber und Auftraggeber schon jetzt zur Verantwortung zu rufen – für Hitzefrei, für frühere Arbeitszeiten und für gesundheitsschützende Maßnahmen.
Die GBH forderte eine „Lex Bau“ – also vorab eine Sonderregelung für den Bau.
Eine Sonderregelung für den Bau als erster Schritt wäre sinnvoll gewesen. Die Baubranche ist besonders betroffen. Hätte man hier angesetzt, wäre vielleicht noch heuer eine praxistaugliche Lösung möglich gewesen. So aber verzögert sich alles zum Nachteil jener, die bei Hitze draußen arbeiten müssen. Da hat in der Ausarbeitung eindeutig der Praxisbezug gefehlt. Es geht hier nicht um Komfort, sondern um Sicherheit und Menschenleben. Es darf keine Toten mehr auf Baustellen geben, nur weil die Verordnung erst nächstes Jahr kommt.
Wie geht es jetzt weiter?
Wir sind es als GBH gewohnt, uns durch dicke Bretter zu bohren – so lange, bis wir durch sind. Genau das tun wir weiter – für die Gesundheit und das Leben unserer Kolleg:innen. Ohne Wenn und Aber.
Unsere Forderungen auf eine Blick
- Jetzt praktikable
- Zwischenlösungen bis zur Verordnung 2026
- Frühere Arbeitszeiten – extreme Hitze kommt meist erst ab 14 Uhr
- Verantwortung der Arbeitgeber & Auftraggeber mit Unterstützung der Bundesregierung
- Breite Infokampagne im Sommer 2025, abgestimmt mit der GBH
>> „Sonnenschutz am BAU" (PDF-Download)





